40-Jähriges Praxis-Jubiläum Dr. Steuber

6. Juli 2020 by norbertlorenz
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Ob ein handschriftlich verfasster Vertrag auf einem Bierdeckel Gültigkeit hat, stand vor 40 Jahren außer Frage. Dennoch ließen Dr. Hermann Knipper und Dr. Max Steuber den Vertrag zur Übergabe einer Hausarztpraxis in Sögel einige Tage später vom Notariat absichern. Genau am 1. Juli 1980, vor jetzt gut vierzig Jahren, wurde mitten in der Nacht der „Bierdeckelvertrag“ abgeschlossen und die Praxisübergabe des damals schwer erkrankten Dr. Knipper an seinem Berufskollegen Steuber beschlossen.

Knipper hatte seinen für die Zeit von drei Wochen infolge seiner Erkrankung beauftragten Vertreter Max Steuber um 1 Uhr morgens zu sich gerufen. Es sei dringend, erklärte er die nächtliche Uhrzeit. Nach einem relativ kurzen Verhandlungsgespräch und dem Genuss eines alkoholischen Getränkes wurde mit einem Satz und zwei Unterschriften unter Nennung des zu zahlenden Betrages alles besiegelt. Steuber, seinerzeit Stabsarzt bei der Bundeswehr in Werlte zog von Niederlangen, wo er während seiner Dienstzeit in Werlte ein altes Bauernhaus bewohnte, nach Sögel in die Gartenstraße. In den ersten 10 Jahren nach der Übernahme der Praxis arbeitete er alleine. Ab 1990 zog er als Verstärkung Dr. Jürgen Priem zu seinem Team heran. Dieser blieb bis zum Jahr 2013. „Die Praxis dann für ein Jahr alleine weiterzuführen, war ein fast nicht zu schaffender Arbeitsauftrag“, erinnert sich Steuber. Er bemühte sich um Dr. Christian Prinz, der als Hausarzt und Kardiologe zu seinem Team kam. „Die Chemie stimmte sofort. Überzeugungskraft war nicht notwendig.“ Als weiterer Zuwachs konnte Norbert Lorenz im Jahr 2016 hinzugewonnen werden. Nach seiner Assistenzarzt-Zeit, von der er die letzten zwei Jahre in Sögel absolvierte, wurde er im Jahr 2018 fester Partner der Gemeinschaftspraxis.

Steuber denkt gerne an seine erste Zeit als Hausarzt in Sögel zurück. So hat er in besonderer Erinnerung, bei einer Hausgeburt eines Kindes einer Sögel Familie unter Stromausfall bei Kerzenlicht helfen zu müssen. „Das waren schon andere Bedingungen damals!“ Während dieser Zeit erlernte er auch die plattdeutsche Sprache. „Mir war es immer wichtig, dass meine Patienten mich verstehen und ich mich mit ihnen auf Augenhöhe unterhalten kann. Da war das Beherrschen der plattdeutschen Sprache sehr hilfreich.“ Außerdem sei es ihm wichtig, dass die Patienten nach der Behandlung oder Visite ein besseres Gefühl haben, als vor der Behandlung. „Als Arzt bin ich immer mit Herz und Verstand bei der Sache. Diese Leidenschaft für den Beruf ist mir auch immer wichtig für die Auswahl meiner Partner in der Gemeinschaftspraxis“. Jetzt habe er zwei tolle Partner an seiner Seite, was er als großes Glück bezeichnet. „Wir sind nicht nur Kollegen, wir sind auch Freunde geworden.“ Besonders freut er sich darüber, dass sein Sohn Leon in seine Fußstapfen treten wird. „In wenigen Jahren wird er zu unserer Praxis hinzukommen. Dann möchte ich noch für eine gewisse Zeit die Zusammenarbeit mit ihm und den beiden Kollegen genießen, bevor ich mich zur Ruhe setze und meine Zeit vollends der Familie widmen kann.“ Seine Frau, fünf Kinder und zur Zeit 4 Enkelkinder warten bereits darauf, so Dr. Steuber.

Lange Jahre arbeitete Dr. Steuber zusätzlich als Unfallarzt. Er wurde Kreisverbandsarzt des DRK Papenburg. Die Erinnerungen an diese Zeit beinhalten viele tragische Situationen, von denen einige noch heute an bestimmten Unfallstellen wieder unbewusst hervorgerufen werden.

Seit einigen Jahren ist die Gemeinschaftspraxis als akademische Lehrpraxis anerkannt. Fast 100 Studenten haben in dieser Zeit Hospitationen und Famulaturen in dieser Praxis durchlaufen. Ausgeruht auf seine Lorbeeren hat Steuber sich nie. Auch jetzt planen die Ärzte, die Praxis weiter zu modernisieren und zu erweitern. Der zweite große Umbau stehe vor der Tür. Inzwischen gehört er bereits zum vierten Mal in Folge zu den vom Focus empfohlenen Ärzten der Region Emsland. Dies ermittelte Focus-Gesundheit in Zusammenarbeit mit der Hamburger Stiftung Gesundheit für die große Studie „Deutschlands empfohlene Ärzte“.

Steuber, der als Arzt am liebsten körpernahe Behandlungen praktiziert wie die Akupunktur, die Chirotherapie oder die Osteopathie hat Privat eine Leidenschaft für das Bauchrednertum entwickelt. So war er über viele Jahre eine feste Instanz auf dem Sögeler Karneval mit seiner Bauchrednerpuppe. Mit seinem von ihm ins Leben gerufene Verein „Bauchgefühl“ unterstützt er Kinder auf dem Hümmling, die aufgrund ihrer familiären Situation unkomplizierter finanzieller Unterstützung bedürfen. „Langweilig war es in meinem Leben nie“, schildert der in Borken/Westfalen geborene mittlerweile 67Jahre alte Arzt sein Leben mit einem Satz. Auch auf die Frage, was denn sein interessantester Einsatz als Arzt gewesen sei, hat er eine Antwort parat. „Als ich noch in Niederlangen wohnte, wurde ich von einem Nachbarn herbeigerufen. Bei einer in den Wehen liegenden Sau gab es Komplikationen.“ Ein beherzter Griff in den Geburtskanal und die Herausnahme eines querliegenden Ferkels sei schon ein besonderes Erlebnis gewesen. Der Bauer sei wohl der Auffassung gewesen, dass ein Allgemeiner Hausarzt auf für diese Fälle geeignet sei. Er hat Recht behalten.

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